Interview „Corona hinterlässt bis dato nur begrenzte Spuren“

Der Deka-Nachhaltigkeit Renten gehört zu den gefragtesten Anleihenfonds der Deka. Fondsmanager Oliver Woyda erklärt den Erfolg und wie sein Team mit dem Corona-Virus umgeht.


TEXT: Daniel Evensen

Herr Woyda, auch an den Finanzmärkten dreht sich momentan alles um Corona. Wie haben Sie im Fondsmanagement auf das Virus reagiert?
Oliver Woyda: Zunächst einmal haben wir eine Vorsichtsmaßnahme getroffen: Ein Teil unseres zwölfköpfigen Teams arbeitet aktuell im Homeoffice, der andere Teil im Büro. So stellen wir sicher, dass wir bei allen Eventualitäten handlungsfähig bleiben.

Das sind neue Formen der Risikovorsorge. Wie sieht es denn mit den Risiken im Fondsportfolio aus?
Im Großen und Ganzen halten wir an der bewährten Struktur und Strategie des Fonds fest. Der Deka-Nachhaltigkeit Renten ist mit rund 800 Anleihen sehr, sehr breit aufgestellt. Im Portfolio dominieren zwar Unternehmensanleihen, wir investieren aber auch in Staatsanleihen. Sowohl was Branchen und Länder angeht, als auch bei den Laufzeiten und Ratings legen wir Wert auf eine vielfältige Mischung. So konnten wir in den vergangenen Wochen ein Kursminus bei der einen Anleihe ganz gut mit einem Plus bei der anderen Anleihe ausgleichen. Corona hinterlässt bis dato nur begrenzte Spuren im Fonds und wir haben auf das Virus auch lediglich mit einigen Detailanpassungen reagiert.

Mit welchen denn zum Beispiel?
Nach starken Kursgewinnen in den vergangenen Monaten waren uns einige Unternehmensanleihen zu teuer geworden, da haben wir bereits im Februar hier und da Kasse gemacht. Außerdem haben wir Anleihen aus zyklischen Branchen wie Automobile oder Stahl etwas abgebaut, weil sie von einer Wirtschaftsflaute stärker betroffen wären. In Zeiten wie diesen ist uns besonders an Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und soliden Bilanzen gelegen.

Deka-Fondsmanager Oliver Woyda

Weil Corona nicht so schnell verschwinden wird?
Der negative Effekt auf die Konjunktur könnte in der Tat mehrere Monate andauern. Aber wir glauben nicht, dass die Pandemie die Weltwirtschaft oder Globalisierung in ihren Grundfesten erschüttern wird. Für den Fonds heißt das: Die Liquiditätsquote ist mit 5 Prozent aktuell etwa 3 Prozentpunkte höher als üblich, damit wir an schwächeren Tagen günstig Anleihen einsammeln können.

Wie reagieren andere Marktteilnehmer auf Corona?
Bei kurzfristiger ausgerichteten Investmentprofis steigt die Nervosität, sie haben in den vergangenen Tagen einiges an Kapital von den Rentenmärten abgezogen. Insbesondere bei Hochzinsanleihen sind dadurch auch die Notierungen unter Druck geraten. Dagegen reagieren die Privatanleger besonnen, die Zuflüsse in unseren Fonds halten an. An manchen Tagen summiert sich das auf mehrere Millionen Euro, insgesamt beträgt das Fondsvermögen inzwischen mehr als 2,6 Milliarden Euro.

Der Deka-Nachhaltigkeit Renten steht bei Anlegern hoch im Kurs und schneidet bei Fondsrankings blendend ab. Was sind die Gründe für den Erfolg?
Der Deka-Nachhaltigkeit Renten orientiert sich an keinem Vergleichsindex, wir kaufen die Anleihen, die wir gut finden. Und wir haben das Portfolio seit dem Start im Jahr 2011 vergleichsweise offensiv ausgerichtet. Deshalb konnte der Fonds überdurchschnittlich an den freundlichen Anleihemärkten der vergangenen Jahre partizipieren. Offensiv bedeutet allerdings auch, dass der Fondskurs bei Marktturbulenzen oder auch Währungsschwankungen vorübergehend in den roten Bereich sinken kann. Für die Beliebtheit des Fonds spielt außerdem natürlich die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Anleger möchten heute mit gutem Gewissen investieren.

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Was heißt Nachhaltigkeit bei Anleihen eigentlich?
Das ist ganz ähnlich wie bei Aktien, es geht um die Unternehmen dahinter. Mit unserem zweistufigen Nachhaltigkeitsfilter sortieren wir zuerst Anleihen von Firmen aus, deren Geschäfte mit einem verantwortlichen Handeln unvereinbar sind. Wer sein Geld beispielsweise substanziell mit Waffengeschäften, Glücksspiel oder Tabak verdient, hat in dem Fonds nichts verloren. Bei den verbleibenden Unternehmen prüfen wir, wie gut sie im Hinblick auf die Nachhaltigkeitskriterien Ökologie, Soziales und gute Unternehmensführung abschneiden.

Und was sind typische Prüflinge, die es schließlich in den Fonds schaffen?
Bei typisch denken Sie sicherlich an grüne Branchen. Die sind im Portfolio tatsächlich übergewichtet mit Anleihen wie zum Beispiel von Orsted aus Dänemark, dem Weltmarktführer bei Offshore-Windkraftanlagen. Das Portfolio enthält aber auch Titel, die einem beim Thema Nachhaltigkeit nicht unbedingt als erstes in den Sinn kommen. Unibail-Rodamco-Westfield ist so ein Fall. Das französische Unternehmen zählt zu den führenden Immobilienentwicklern auf der Welt und betreibt auch zahlreiche Shoppingcenter, allein in Deutschland sind es 27. Weil der Immobiliensektor für etwa ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen steht, sind energieeffiziente Gebäude für den Klimaschutz enorm wichtig und Unibail bekommt in diesem Bereich sehr gute Noten. Im Fondsportfolio haben wir Anleihen aus den meisten Wirtschaftszweigen, wenn sie unsere Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen.

„Aktive Fondsmanager, wie wir es sind, können nach wie vor gute Gelegenheiten aufspüren“Oliver Woyda , Fondsmanager des Deka-Nachhaltigkeit Renten

Sie sagen, dass neben der Nachhaltigkeit auch die Konditionen der Anleihen stimmen müssen. Findet man im Niedrigzinsumfeld überhaupt noch attraktive Papiere?
Das ist nicht einfach, aber aktive Fondsmanager, wie wir es sind, können nach wie vor gute Gelegenheiten aufspüren. Nachranganleihen sind beispielsweise ein interessanter Bereich. Als Käufer einer solchen Anleihe erhält man einen höheren Zins als bei einer normalen Anleihe. Sollte aber der Herausgeber der Anleihe zahlungsunfähig werden, ist man benachteiligt, weil zuerst die anderen Gläubiger bedient werden. Bei Nachranganleihen von Unternehmen, die wir als sehr solide einschätzen, halten wir dieses Risiko für vertretbar.

Wie viele von den hunderten Anleihen im Portfolio sind denn seit 2011 ausgefallen?
Keine einzige, wir achten selbstverständlich sehr auf die Finanzkennzahlen der Unternehmen. Ausfälle wollen wir auf jeden Fall vermeiden.

Und was bringt so eine Nachranganleihe ein?
Das hängt vom jeweiligen Unternehmen und der Laufzeit ab. Aber nehmen wir als Beispiel Merck, den Pharma- und Chemiekonzern aus dem des DAX. Merck zählt in seinen Geschäftsbereichen zu den Vorreitern in Sachen Nachhaltigkeit. Und was die Anleihen angeht: Die klassischen Papiere von Merck mit 10-jähriger Laufzeit rentieren aktuell mit etwa 0,3 Prozent per anno, die Nachranganleihen mit rund 2 Prozent.

Das ist ein ordentlicher Unterschied. Allerdings hat der Deka-Nachhaltigkeit Renten in jüngster Zeit weitaus höhere Renditen abgeworfen.
2019 war ein Ausnahmejahr mit sehr freundlichen Rentenmärkten, ein weiteres solches Jahr sollten Anleger nicht erwarten. 2 Prozent bei gewissen Kursschwankungen, das ist für den Fonds auf mittlere Sicht eine realistische Zielgröße. Angesichts von moderaten Inflationsraten ist das ein relativ attraktiver Wert – und allenthalben spannender als die dauerhafte Null beim Tagesgeld oder auf dem Girokonto.

Weitere Informationen zum Deka-Nachhaltigkeit Renten erhalten Sie hier.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, Verkaufsprospekte und Berichte, die in deutscher Sprache bei den Sparkassen oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhältlich sind.

Stand: 11.03.2020