Interview „Den Ball ins Rollen bringen“

Ab 2018 greift die Reform der Betriebsrente. Die Deka-Expertinnen Anke Maselli und Daniela Honecker erläutern Details der Reform und was Arbeitnehmer tun können, um sie für sich zu nutzen.


TEXT: Volker Tietz

Geht es bei der nun beschlossenen Reform nur darum, noch schnell ein altes Wahlversprechen abzuhaken, oder bewegt sich wirklich etwas in Sachen Altersvorsorge?
Anke Maselli: Die kapitalgedeckte zusätzliche Altersvorsorge in Deutschland muss dringend gestärkt werden. Seit Jahren erstellt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales Analysen zur gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Dass eine Reform notwendig ist, zeigen die jüngsten Ergebnisse vom Januar 2017: Demnach besitzen nur 57 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten eine betriebliche Altersvorsorge. Insofern ist es gut, dass nun gehandelt wird. Die Reform lässt reine Beitragszusagen ohne Garantien in der betrieblichen Altersvorsorge unter bestimmten Voraussetzungen zu - das ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer renditeorientierten Anlage von langfristigem Altersvorsorgevermögen in Deutschland. Und auch bei der privaten Riester-Rente gibt es Verbesserungen.

57 Prozent sind überraschend wenig. Hat denn jeder Arbeitnehmer in Deutschland Anspruch darauf?
Anke Maselli: Ja, den Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung – also arbeitnehmerfinanzierte betriebliche Vorsorge – gibt es bereits seit dem Altersvermögensgesetz 2002. Der Arbeitgeber kann hier etwas hinzugeben, muss aber nicht. Die Beiträge sind – je nach Durchführungsweg – in bestimmter Höhe steuer- und sozialbeitragsfrei; die spätere Rentenzahlung ist dann einkommensteuer- und sozialversicherungspflichtig*.

Der Arbeitnehmer geht also einfach zum Chef und sagt: Ich will eine betriebliche Altersvorsorge?
Daniela Honecker: Genau, diese muss der Arbeitgeber eigentlich seit 2002 in der Schublade haben, wenn es gewünscht wird. Aber gerade bei den kleinen Unternehmen hat das nicht zu einem Schub geführt. Viele Mitarbeiter dort haben entweder keine Kenntnis oder kein Interesse oder trauen sich nicht, die Leistungen nachzufragen, geschweige denn sie einzufordern.

Und was bringt hier das kommende Betriebsrentenstärkungsgesetz?
Anke Maselli: Es gibt drei zentrale Maßnahmen, mit denen die betriebliche Altersvorsorge gestärkt werden soll. Als erstes die Zulassung von reinen Beitragszusagen im Rahmen von sogenannten Sozialpartnermodellen. Das heißt die Tarifvertragsparteien können sich jetzt auf reine Beitragszusagen ohne Garantien einigen und zwar in drei von fünf Durchführungswegen der betrieblichen Vorsorge: bei der Pensionskasse, beim Pensionsfonds und bei der Direktversicherung. Die Arbeitgeber sagen in diesem neuen Modell nur zu, welche Beiträge sie zahlen, müssen aber nicht für bestimmte Leistungen einstehen bzw. haften. Als zweites ist der Arbeitgeber bei neuen Vorsorgemodellen in den drei genannten Durchführungswegen verpflichtet, 15 Prozent des umgewandelten Arbeitsentgelts in die Betriebsrente der Arbeitnehmer einzubezahlen. Dadurch erhöht sich der Anreiz für den Mitarbeiter. Und auch für bestehende Verträge in den drei genannten Durchführungswegen muss dieser Zuschuss geleistet werden, allerdings erst ab 2022.

Die reine Beitragszusage klingt für den Arbeitnehmer aber erstmal nicht so vorteilhaft.
Daniela Honecker: Sie muss aber kein Nachteil sein. Von der Aufhebung der Garantien verspricht sich die Koalition höhere Renditen, da die Absicherung auch immer Geld kostet und damit den Ertrag schmälert. Außerdem soll die Abschaffung der Arbeitgeberhaftung die Anreize für die Einrichtung betrieblicher Vorsorgemodelle in den Unternehmen stärken.

Dann fehlt noch der dritte Kernpunkt...
Anke Maselli: Dabei geht es um das sogenannte Opting-out-Modell. Im Tarifvertrag kann künftig der Passus enthalten sein, dass Arbeitnehmer automatisch eine betriebliche Altersvorsorge abschließen. Wenn der Angestellte das nicht möchte, muss er aktiv widersprechen.

Man dreht den Spieß quasi um?
Daniela Honecker: Ganz genau. Ich muss mich nicht für etwas entscheiden, sondern bekomme es automatisch. Ansonsten muss ich es ablehnen. Das macht es leichter, den Ball ins Rollen zu bringen. Im Ausland gibt es die Opting-out-Modelle bereits und dort zeichnen sich Erfolge ab.
Anke Maselli: Trotz der drei genannten Kernpunkte gibt es bei der Reform aber auch einen Wermutstropfen: Viele kleine und mittlere Unternehmen sind nicht tarifgebunden. Im Gesetz steht zwar, dass sie sich zu gleichen Konditionen anschließen können, aber im Grunde stellt sich die Frage: Wie viele neue Tarifmodelle kommen jetzt? Und: Schließen sich die kleineren Unternehmen, bei denen es derzeit oft an betrieblichen Vorsorgemodellen mangelt, tatsächlich an?

Warum ist das so wichtig?
Anke Maselli: Gewünscht wurde vor allem eine Reform für Geringverdiener und kleinere Firmen. Aber jetzt wird dies mit Tarifmodellen versucht, in denen vor allen die großen Unternehmen beteiligt sind. Da muss man schauen, wie sich das entwickelt.

Ein Produkt, das sehr bekannt und schon lange auf dem Markt ist, partizipiert auch von der Betriebsrenten-Reform – die Riester-Rente.
Daniela Honecker: Das stimmt. Einer der Kernpunkte ist die Anhebung des staatlichen Förderbetrags von heute 154 auf 175 Euro jährlich. Das ist auf jeden Fall ein positives Signal. Denn eine Erhöhung der Grundzulage, die jeder bekommt, hilft bei der Riester-Rente. Und wer nicht so viel Geld hat, kann dadurch seinen Eigenbetrag verringern. Allerdings sind damit die Forderungen noch nicht vom Tisch, auch die Kinderzulagen zu vereinheitlichen und den Sonderausgabenabzug zu dynamisieren.

Gibt es noch weitere Neuerungen im Betriebsrentenstärkungsgesetz zur Riester-Rente?
Anke Maselli: Ja. Riester-Renten werden künftig bei der Berechnung der Grundsicherungsleistungen nicht mehr voll angerechnet. Hier wird eine Freibetragsregelung eingeführt, durch die bis zu gut 200 Euro monatlich anrechnungsfrei gestellt werden. Dadurch steigen die Anreize zur Altersvorsorge für Sparer, die fürchten auf Grundsicherung im Alter angewiesen zu sein.

Welche Möglichkeiten hat der Kunde, mit Deka-Produkten zu sparen?
Daniela Honecker: Als Riester-Fondssparplan bieten wir Deka-ZukunftsPlan an. Diese individuell gesteuerte Vorsorgemöglichkeit ist gerade in der anhaltenden Niedrigzinsphase sehr beliebt. Ende August werden wir bereits den 200.000sten Kunden begrüßen können, alleine in den vergangenen 12 Monaten haben wir mehr als 70.000 Kunden gewonnen.

Beim Deka-ZukunftsPlan gibt es die Varianten Classic und Select. Sind beide gleich beliebt?
Daniela Honecker: Nein, die Classic-Variante steht eindeutig im Vordergrund. Das Anlagekonzept auf Basis von Dachfonds sorgt für eine breite Streuung. Die DekaBank wählt attraktive Fonds für den Kunden aus und der Kunde braucht sich nicht selber für verschiedene Fonds zu entscheiden. Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung hat zudem im Juni 2017 die Renditechancen des Anlagekonzepts in einem Gutachten untersucht und bestätigt, dass es langfristig attraktive Renditechancen ermöglicht. Link zum PDF:

Und wenn ich als Kunde selber wählen möchte?
Daniela Honecker: Dann bieten wir die Select-Variante an. Für die Selbstentscheider haben wir das Fondsuniversum in diesem Jahr neu zusammengestellt. Kunden können beispielsweise auf Dividendenstrategie-Fonds setzen oder sich auf das Thema Nachhaltigkeit fokussieren. Gerade wenn ich meine langfristige Vorsorge plane, möchte ich im Alter auch lebenswerte Bedingungen vorfinden. Da spielt die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle und mit der Select-Variante kann ich in Deka-Nachhaltigkeit Aktien und Deka-Nachhaltigkeit Renten investieren. Gleichwohl sollten Anleger bedenken, dass ihre Anlage während der Laufzeit Wertschwankungen unterliegt, die sich bei einer Verfügung vor Beginn der Auszahlungsphase negativ auf die Anlage auswirken können. Zudem sind, wenn vor Beginn der Auszahlungsphase über das Kapital verfügt wird, die gewährten Zulagen und Steuervorteile zurückzuzahlen. Der erzielte Wertzuwachs ist mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern*.

Kommen wir noch einmal zurück zum allgemeinen Problem: Die attraktivsten Produkte helfen nicht, wenn die Anleger ihre Fördermöglichkeiten nicht wahrnehmen.
Daniela Honecker: Das stimmt und genau auf diese Frage wollten wir schon 2015 mit einer Studie eine Antwort finden. Hier hat sich gezeigt: Die Menschen leben im Hier und Jetzt, das Alter ist noch weit weg. So verdrängt man das Problem, was einen aber – immer wenn man sich mal wieder daran erinnert – eben auch belastet. Aus diesem Grund ist es schwer, sich erst einmal aufzuraffen und den ersten Schritt zu tun. Menschen, die sich dann zum Beispiel von ihrer Sparkasse beraten lassen, fühlen sich aber besser, weil ein Ergebnis auf dem Papier steht und sie sich wieder anderen, angenehmeren Dingen widmen können.

Und hier kann das neue Gesetz einen Impuls geben?  
Anke Maselli: Das hoffen wir, denn die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Deutschland hat einen solchen Anschub bitter nötig!

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten.

*Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand: Juli 2017. Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftig auch rückwirkenden Änderungen (z. B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.