Interview „Der Index ist nur ein Rahmen“

Matthias Both, Fondsmanager im Deutschland-Team der Deka, über die Reform der Dax-Indizes und die Auswirkungen auf Aktienfonds der Deka.


TEXT: Peter Weißenberg

Am 24. September tritt eine große Index-Reform in Kraft (alles Wichtige zur Reform lesen Sie hier ). M-Dax und S-Dax bekommen mehr und neue Mitglieder, auch Technologie-Firmen sind dabei. Und in den TecDax rücken nun auch Schwergewichte aus dem Dax. Hat Sie dieser radikale Wandel überrascht?
Nein. Wir waren ja seit Februar eingebunden. Die Deutsche Börse hatte unseren Branchenverband BVI wie andere große Marktteilnehmer frühzeitig informiert und nach ihrer Einschätzung befragt.

Was wollte der Betreiber des Börsenplatzes Frankfurt denn so wissen?
Vor allem, ob die Reform sinnvoll ist.

Und?
Unser Deutschland-Team im aktiven Fondsmanagement sagt da prinzipiell schon ja. Durch die Aufstockung im M-Dax um zehn und im S-Dax um 20 Mitglieder, vor allem aber durch die Öffnung dieser Indizes für Technologie-Aktien geben sie nun das Wirtschaftsgeschehen realistischer wieder. Wir leben ja nicht mehr allein in der Welt von Auto und Maschinenbau - auch Software, Cloud-Computing oder Künstliche Intelligenz gehören dazu. Das sehen Sie ja auch daran, dass jetzt ein Fintech-Dienstleister wie Wirecard eine klassische Universalbank wie die Commerzbank im Dax ersetzt.

Deka-Experte Both

Dann war der TecDax ein Sondergleis, das in die falsche Richtung führt?
So krass sage ich das nicht. Aber er hatte für die Marktakteure als Maßstab keine sehr große Bedeutung.

Ändert sich das mit der Aufnahme von Größen wie SAP oder Infineon in den TecDax?
Bedingt. Diese Unternehmen bleiben ja auch im Dax und eine Benchmark – also ein Vergleichsindex – können Sie nicht zweimal zählen.

Wie meinen Sie das?
Unsere großen Deutschland-Fonds haben zum Beispiel den H-Dax als Orientierungs-Benchmark. Daran messen wir unseren Erfolg. In diesem Index sind Dax, M-Dax und TecDax vereint. Die Dax-Papiere haben dabei aktuell rund 80 bis 85 Prozent Anteil. Wenn ab dem 24. September etwa SAP auch im TecDax vertreten sein wird, müssen wir diesen Wert dort trotzdem herausrechnen. Sonst wäre er ja doppelt gewichtet. Im M-Dax gibt es ähnliche Phänomene.

Wie stark richten Sie sich denn bei Ihren Investment-Entscheidungen an Dax, M-Dax und Co aus?
Der DekaFonds beispielsweise ist benchmarkorientiert: Viele, aber bei weitem nicht alle Titel aus dem Vergleichsindex sind Bestandteil des Portfolios – in einer Gewichtung, die wir für angemessen halten und die vom Index häufig abweicht. Denn der Vergleichsindex ist nur ein Rahmen. Den müssen wir nicht sklavisch ausfüllen, und wir können auch über den Rand malen.

Indem Sie Papiere von Unternehmen erwerben, die gar nicht im Vergleichsindex vertreten sind?
Ganz genau, das gilt für so manches Unternehmen in unseren Fonds. Wenn unsere Analysten überzeugt sind, dann investieren wir. Wer nur Werte aus einem Index berücksichtigt, der geht an vielen Juwelen der deutschen Wirtschaft achtlos vorbei.

In den Wochen vor der Umstellung hat der Dax im Verhältnis zu den US-Börsen ganz schön Federn gelassen. Hat das mit der Index-Reform zu tun?
Nein, es sind eher die drohenden Handelskonflikte, die starke deutsche Exportwerte im Index drücken. Das zeigt sich vor allem an der Autoindustrie – und allein im Dax gibt es gleich fünf Werte, die direkt betroffen sind. Wir als Fondsmanager sind gerade in solchen Situationen froh, dass wir aktiv für unsere Kunden handeln können.


Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten.

Stand: 11.09.2018