Interview „Desinvestment kann nur die letzte Möglichkeit sein“

Verantwortung zeigt sich auch beim Investieren. Die Deka nimmt hier für ihre Anleger viele Möglichkeiten wahr, Firmen zu mehr Umweltschutz und guter Unternehmensführung anzuhalten. Der Experte für Nachhaltigkeit und Corporate Governance Winfried Mathes erklärt, wie die Deka dabei vorgeht – und welche Herausforderungen aktuell zu meistern sind.


TEXT: Peter Weißenberg

Alle reden von Corona und der Krise. Ist da das Thema Klimawandel zurückgedrängt worden?

Zu Beginn der Covid-Pandemie rückte das Thema Klimawandel bei vielen Unternehmen – so wie generell in der Gesellschaft – in der Tat zunächst etwas in den Hintergrund. Da standen dann betriebswirtschaftliche Themen, wie Kostenmanagement und Liquiditätssicherung, an vorderster Stelle. Inzwischen gewinnen wir aber den Eindruck, dass das Thema Klimawandel wieder Fahrt aufnimmt.

Woran merken Sie das?

Wir bekommen zurzeit immer mehr Anfragen von Unternehmen, die mit uns ihre Nachhaltigkeitsstrategien diskutieren wollen. Und einige Unternehmen haben zuletzt ihre Klimapolitik adjustiert.

Winfried Mathes, Experte für Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka

Wer zum Beispiel?

HeidelbergCement etwa hat sein ursprüngliches CO2-Emissionsziel für 2030 auf 2025 vorgezogen und der BMW-Konzern weitet seine Elektropläne aus.

Als Investor haben Sie ja bei solchen strategischen Maßnahmen mehr als nur ein Wörtchen mitzureden. Wie arbeitet die Deka denn daran, auf Maßnahmen zum Klimawandel in den Unternehmen Einfluss zu nehmen?

Da verfolgen wir bei der Deka verschiedene Wege. Dazu gehören zum einen der gezielte Dialog mit dem Management, wo wir im persönlichen Gespräch unsere Sicht zur Klimapolitik des jeweiligen Unternehmens darlegen. Zum anderen können wir über Redebeiträge auf Hauptversammlungen gezielt Klimathemen in einer breiteren Öffentlichkeit ansprechen oder unsere Position auch über die Stimmrechtsausübung bei Hauptversammlungen zum Ausdruck bringen.

Nennen Sie mir ein Beispiel dafür?

Wir haben bei der diesjährigen Hauptversammlung von Royal Dutch Shell einen Aktionärsantrag unterstützt, der vom Unternehmen eine detailliertere Dekarbonisierungsstrategie verlangt. Darüber hinaus haben wir im Portfoliomanagement die Möglichkeit, durch unsere Anlagepolitik gezielt klimafreundliche Unternehmen zu fördern.

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Wie geht das?

Das kann durch Ausschlusskriterien erfolgen, bei denen Zielunternehmen nicht berücksichtigt werden, die den vorgegebenen Kriterien nicht entsprechen. Oder man wählt die Anlage-Philosophie „Impact Investing“, bei der in Zielunternehmen investiert wird, die bestimmte soziale oder ökologische Aufgabenstellungen lösen oder solche Lösungen anstreben.

Und wenn sich das Management hartleibig zeigt? Ist ein Unternehmen schon einmal aus einem Deka-Fonds ausgeschieden, weil die Klima-Maßnahmen nicht ambitioniert genug waren?

Zum Zeitpunkt des Erwerbs von Zielunternehmen für unsere Fonds schauen wir auch auf deren Klimastrategie. Bei der Auswahl der Zielunternehmen kann dabei auf den Best-in-Class-Ansatz zurückgegriffen werden, bei dem sich das Anlageuniversum aus denjenigen Unternehmen zusammensetzt, die innerhalb ihrer Branche, Kategorie oder Klasse die besten Klimawerte aufweisen. Das senkt natürlich die Gefahr, im Nachhinein Unternehmen aus den Fonds ausschließen zu müssen. Zudem muss man auch bedenken, dass man durch den Verkauf eines Titels aus dem Portfolio sich selbst die Möglichkeit nimmt, einen positiven Einfluss auf das betreffende Unternehmen auszuüben. Schließlich ist das Unternehmen ja immer noch am Markt, lediglich ein Teil der Unternehmensanteile hat den Besitzer gewechselt. Ein Desinvestment kann also nur die „letzte Möglichkeit“ sein.

Und? Hat die Deka die schon mal angewendet?

Für Kohleunternehmen haben wir im Mai 2020 Ausschlusskriterien definiert. Denn wir halten angesichts der fortschreitenden Klimaveränderungen eine nachhaltige Umgestaltung der weltweiten Energiewirtschaft dringend vonnöten. Zwar ist die Erzeugung und Verstromung von Kohle heute zur Energiegewinnung in weiten Teilen der Welt noch unerlässlich, mittelfristig ist sie aber ein Auslaufmodell. Konkret bedeutet dies, dass die aktiv gemanagten Publikumsfonds der Deka Investment nicht mehr in Unternehmen investieren dürfen, die ihren Umsatz zu mehr als 30 Prozent durch Kohleförderung oder zu mehr als 40 Prozent aus der Kohleverstromung erwirtschaften. Bei den Deka-Nachhaltigkeitsfonds gelten noch strengere Grenzen. Dort sind Unternehmen, die Kohle fördern, komplett aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen.

Und wer nicht fördert, aber Kohle verbraucht?

Nur in Firmen, deren Umsatzanteil bei der Kohleverstromung unter 10 Prozent liegt, darf weiter investiert werden.

Immer umweltbewusster handeln und klare Ziele setzen – da scheinen Sie ja auf einer Linie mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Wie beurteilt die Deka den „European Green Deal“, dessen Ziele die EU-Kommission gerade noch einmal verstärkt hat?

Mit dem European Green Deal soll unter anderem das Ziel verfolgt werden, bis 2050 in der Europäischen Union die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und somit als erster Kontinent klimaneutral zu werden. Von 2030 an sollen die Zwischenziele regelmäßig nachgeschärft werden können. Bisher gilt das EU-Ziel, die klimaschädlichen Treibhausgase bis 2030 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken. Die EU-Kommission erwägt eine Verschärfung auf 50 bis 55 Prozent, will aber vorher die Folgen genau prüfen. Zudem soll die Wirtschaft durch umweltfreundliche Technologien, Schaffung einer nachhaltigen Industrie und eines nachhaltigen Verkehrs und Eindämmung der Umweltverschmutzung gekurbelt werden.

„Unser Einsatz für Nachhaltigkeit steigert die Kurse der jeweiligen Unternehmen ebenso nachhaltig.“ Winfried Mathes, Experte für Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka

Und das findet den Beifall der Deka?

Prinzipiell sehen wir als Deka den „Green Deal“ positiv, da dieser mit Investitionen in grüne Technologien, nachhaltige Lösungen und neue Geschäftschancen für Unternehmen zu Europas neuer Wachstumsstrategie werden kann. Allerdings gilt es auch, bei einer Verschärfung der Klimaziele auf EU-Ebene realisierbare Werte zu setzen, damit diese nicht nur reines Wunschdenken darstellen. Hier gilt es auch konkrete Instrumente zu benennen, wie weitere Zielverschärfungen erreicht werden sollen.

Wie sollte sich der Anleger auf den Klimawandel einstellen?

Durch das UN- Klimaschutzabkommen von Paris sollen die Klimaerwärmung begrenzt und durch die UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung angemessene Lebensbedingungen für kommende Generationen gesichert werden. Klimabezogene, politische und technologische Risiken bedrohen die Geschäftsmodelle der Unternehmen, die nicht rechtzeitig auf die neuen Herausforderungen reagieren. Deshalb ist es umso wichtiger, durch eine umfassende Analyse die Unternehmen auszuwählen, die diese Veränderungen in ihren Geschäftsmodellen am besten auffangen können. Anschauliches Beispiel hierfür ist die Covid-Pandemie, deren Auswirkungen derzeit aufzeigen, welche Unternehmen und Geschäftsmodelle mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten am besten zurechtkommen.

Beim Klimawandel und den Herausforderungen ist es also ganz ähnlich: Sie analysieren, welche Branchen durch ihre Maßnahmen zur Klimafreundlichkeit eher gewinnen werden? Und im Gegenzug zeigt sich dabei auch, wo für den langfristig orientierten Anleger eher problematische Branchen zu sehen sind?

Bei der Beurteilung, wie sich der Klimawandel auf einzelne Branchen auswirkt, ist insbesondere darauf zu achten, wie die Politik in den Markt eingreift, um den Klimaschutz voranzutreiben. Hier eingebettet ist auch der europäische Green Deal. Am stärksten werden die Branchen Energie mit Kohle, Öl und Gas, Automobilbau, Versorger, Mineralstoffe mit dem Bergbau sowie Agrarwirtschaft im Fokus stehen. In allen Branchen wird es Gewinner und Verlierer geben.

Beispielsweise?

Unternehmen, die im Bereich der erneuerbaren Energien, also etwa bei Wind-, Solar- oder Wasserkraft sowie bei anderen Technologien zur CO2-freien Stromerzeugung führend sind beziehungsweise Anbieter von Stromspeichertechnologie dürften aus heutiger Sicht vom Klimawandel profitieren. Hinzu kommen Hersteller von Elektrofahrzeugen und Unternehmen, die nachhaltige Kraftstoffe wie Biokraftstoffe, Wasserstoff und andere Technologien anbieten. Auch Unternehmen der Gebäudetechnik und solche, die Technologien für die Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft zur Verfügung stellen, gehören hier dazu.

Warum betreiben Sie eigentlich den ganzen Aufwand beim Kampf für mehr Nachhaltigkeit – wollen Sie die Welt verbessern?

Als Deka sind wir ja ein Treuhänder; unsere einzige Legitimation ist es, die Interessen der Anleger zu vertreten. Und dabei sind zwei Rahmenbedingungen herausragend: Erstens legen die Anleger ganz klar verstärktes Augenmerk auf Nachhaltigkeit, wie eine aktuelle Umfrage belegt. Und zweitens sind wir fest überzeugt davon, dass durch unseren Einsatz für Nachhaltigkeit die Kurse der jeweiligen Unternehmen ebenso nachhaltig steigern. Im Gegenzug gilt: Festhalten an einer althergebrachten Strategie ohne ausreichende Berücksichtigung von Nachhaltigkeit führt zu einem Verlust an Ertragskraft und Kursentwicklung.

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Stand: 13.11.2020

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