Interview Extrem gut aufgestellte Giganten

Deka-Fondsmanager Mario Adorf über die Entwicklung der großen Technologieunternehmen und warum die Gesundheitsbranche heute mit dem Internet anno 1995 vergleichbar ist.


TEXT: Volker Tietz

Herr Adorf, 2017 war ein starkes Jahr für die amerikanischen Tech-Giganten wie Apple, Alphabet, Facebook, Amazon und Microsoft.  Angesichts der rasanten Kurssteigerungen: Wer wird das erste 1-Billionen-Dollar-Unternehmen?
Apple hat die besten Chancen, das Unternehmen liegt aktuell mit einem Börsenwert von rund 900 Mrd. Dollar komfortabel auf Platz eins. Ich richte meinen Blick aber eher auf die kommenden Jahre. Und da halte ich vor allem die Marktstellung von Amazon, Facebook oder der Google-Mutter Alphabet für aussichtsreich – jedenfalls solange die Regulierer nicht versuchen, diese Unternehmen zu zerschlagen. Amazon ist sehr weit vorne, was das Kaufverhalten der Kunden angeht. Aber auch die anderen Firmen sind extrem gut aufgestellt. Apropos: Wissen Sie, wie viele Plattformen mit jeweils mehr als einer Milliarde Nutzer Alphabet hat?

Deka-Fondsmanager Mario Adorf


Zwei oder drei?
Nein, sieben. Die Suchmaschine, der Browser Chrome, das Betriebssystem Android, das Videoportal YouTube, der Online-Kartendienst Google Maps, der virtuelle Globus Google Earth und der App-Store Google Play. Und damit lässt sich einiges machen. Ein Beispiel: Angenommen, sie sind wenige Meter vor einem Bekleidungsgeschäft. Plötzlich poppt eine Message auf ihrem Smartphone auf: 20% Rabatt nur für Sie. Es ist dann über das GPS Tracking möglich festzustellen, wer reingeht um was zu kaufen und sich damit als Premium-Werbekunde empfiehlt. Das ist ausbaufähig.

Gibt es große Trends, die 2018 marktreif werden?
Das Thema Blockchain ist spannend und in aller Munde, aber das war zur Jahrtausendwende bei VoiP – also dem Telefonieren über Rechnernetze - auch so. Bis sich das durchgesetzt hat und massentauglich wurde, waren wir schon im nächsten Jahrzehnt. Blockchain ist eine heiße Sache, aber vermutlich auch erst in ein paar Jahren omnipräsent.

Wie dominant sind die US-Giganten? Wenn man sich die aktuelle Milliardärs-Rangliste ansieht, liegt Amazon-Gründer Jeff Bezos ganz vorne. Aber Alibaba-Gründer Jack Ma ist auf Platz 14 geklettert und Pony Ma, Gründer von Tencent, rangiert auf 19. Müssen die USA bald um ihre Vorherrschaft bangen?
2017 war für die US-Techgiganten ein starkes Jahr, für die chinesischen Internetfirmen oder das südafrikanische Medienunternehmen Naspers war es aber ein herausragendes. Die Aktienkurse von Alibaba oder Tencent haben sich in etwa verdoppelt und damit den bis dato vorhandenen Aufholbedarf eingepreist. Das macht auch die Gründer noch reicher, wie die Rangliste zeigt. Diese Firmen sind ebenfalls gut aufgestellt und weisen zurzeit ein Gewinnwachstum 30 bis 40 Prozent auf. Und sie sind in ähnlichen Bereichen wie die US-Konkurrenz unterwegs. Alibaba beschäftigt sich neben der Marktplattform ebenfalls mit einem Web-Service wie Amazon. Und Tencent ist der größte Onlinespieleanbieter im größten Spielemarkt im Internet und stellt zudem mit QZone und WeChat mit einer Milliarde Nutzern das chinesische Pendant zu Facebook und Whatsapp dar. Das Rennen ist aus meiner Sicht offen.

Der Nasdaq 100 kletterte zuletzt auf ein neues Allzeithoch, der Nasdaq Composite sprang in 2018 sogar erstmals über 7000 Punkte. Ist die Zeit für einen Rücksetzer gekommen? 
Der Markt ist spannend, was aber auch schnell zu Fehleinschätzungen führen kann. Denn die Volatilität ist ungewöhnlich niedrig und der S&P500 hat seit mehr als einem Jahr keine 5%-Korrektur mehr durchlaufen – das gab es in der Historie erst zweimal. Und das verändert die Wahrnehmung, denn früher hat der Markt durchaus auch in normalen Zeiten 10 bis 20 Prozent geatmet. Sollte es jetzt einmal mehr als 5 Prozent nach unten gehen, könnte bei unerfahreneren Marktbeobachter das Gefühl aufkommen, wir würden uns bei eigentlich historisch normalen Schwankungsbreiten bereits in einem echten „Crash“ befinden.

Welche echten potenziellen Störfeuer sehen Sie?
In erster Linie sollte man die Zinswende in den USA im Blick haben. Zehnjährige US-Bonds rentieren inzwischen wieder bei rund 2,5 Prozent und für dieses Jahr rechnen Volkswirte mit bis zu vier Zinserhöhungen am kurzen Ende. Da tun sich langsam aber sicher wieder Alternativen für Anleger auf, die nicht so gerne Aktien mögen.

Sie managen den Deka-GlobalChampions . Worauf achten Sie aktuell?  
Allgemein stelle ich mich natürlich relativ breit auf und investiere aktienseitig sowohl in den USA, Europa und Asien. Dabei muss man im Blick haben, dass gerade China enorm aufgeholt hat. Mittlerweile kommen 22 Prozent der umsatzstärksten Unternehmen, die im Fortune 500 gelistet werden, aus China.

Sie sind auch ein Verfechter, dass man gerade USA und Europa nicht deshalb übergewichten sollte, nur weil man glaubt, diese Firmen besser zu kennen.
Ganz genau. Die Emerging Markets weisen eine niedrigere Staatsverschuldung auf und wachsen substanziell stärker. Und die Erholung in den Emerging Markets befindet sich erst im Jahr zwei oder drei, der Bullenmarkt ist längst nicht so reif wie in den USA oder Europa.

Und wenn Sie auf Branchen herunterbrechen, gibt es da auch Favoriten?
Ja, und die haben auch mit einem Buzzword wie „Künstliche Intelligenz“ zu tun. Aber anders als Sie glauben. Ich denke da gar nicht nur an Fertigungsroboter, sondern vor allem an den Gesundheitsbereich. Das Erbgut des Menschen ist mittlerweile komplett entschlüsselt. Daraus lassen sich Handlungsparameter für eine individuelle Therapie wie etwa bei der Krebsbehandlung ableiten. Auch fehlerhafte DNA kann mittlerweile „korrigiert“ werden, seltene auf Gendefekte basierende Krankheiten können somit erfolgreich therapiert werden. aus Anlegersicht bietet der Gesundheitsbereich spannende Möglichkeiten.

Zumal der Sektor auch eher defensiv ist?
Grundsätzlich stimmt das, wenn man beispielsweise an Fresenius Medical Care im Bereich der Dialyse denkt. Die Patienten gehen dorthin und es ist egal, ob die Wirtschaft brummt oder nicht. Aber defensiv ist dennoch der falsche Begriff. Wir schauen uns ja nicht nur Pharma an, sondern auch Biotechs, die sehr volatil sind.

Ist der Gesundheitsbereich das nächste große Ding?
Zumindest würde ich mich nicht dagegen stellen, denn ich sehe hier ein strukturelles Wachstum ohne größere Konjunkturrisiken. Die Überalterung der Bevölkerung ist in westlichen Ländern wie Deutschland sichtbar, Innovationen in der Branche helfen, um Kosten zu senken. Das führt zu einer individualisierten Medizin, die zielgerichtet eingesetzt werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Bereich jetzt in der Phase ist wie das Internet etwa um 1995.

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Stand: 23.01.2018