Automobilmesse IAA 2017: Inspirierend oder irritierend?

Die diesjährige Autoshow in Frankfurt soll ein großes Experiment werden. Die Branche wird auf ihrer Leistungsschau mehr als 300 Innovationen präsentieren.


TEXT: Daniel Evensen

Wenn die IAA am 14. September die Tore für die Fachbesucher und am 16. September für das breite Publikum öffnet, wird das für die Automobilhersteller eine willkommene Ablenkung von der leidigen Diesel-Diskussion sein. Unter dem Motto „Zukunft erleben“ will die Branche den Blick der Messebesucher vor allem auf die Digitalisierung, den Elektroantrieb und neue Formen der Mobilität legen.

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, verspricht ein mutiges Messekonzept: „Es wird eine IAA sein, wie keine vor ihr. Sie wird manche Besucher irritieren, viele inspirieren, alle überraschen. Denn sie ist ein konsequentes Experiment, eine durchdachte Beta-Version und ein Gesprächsangebot in maximal unübersichtlichen Zeiten.“

Behalten die deutschen Autobauer in diesen Zeiten den Überblick und verteidigen ihre Spitzenposition? Oder werden sie von autonom fahrenden E-Mobilen der neuen Konkurrenten aus China oder dem Silicon Valley überholt? Interessant ist jedenfalls, dass amerikanische Internetkonzerne wie Google und Facebook im IAA-Ausstellungsbereich New Mobility World prominent vertreten sind.

Autoaktien im Rückwärtsgang

Die Sorgen über die Positionierung der deutschen Hersteller im weltweiten Wettbewerb machen sich auch an der Börse bemerkbar. „Anleger haben die Aktien von Daimler oder BMW noch vor zwei Jahren mit bis zum zwölffachen der erwirtschafteten Gewinne bewertet, heute sind wir fast bei der Hälfte“, sagt Deka-Volkswirt Joachim Schallmayer.

Die Deka ist der Einschätzung, dass etwas mehr Optimismus angebracht wäre. „Erstens wird der Übergang vom Verbrennungsmotor hin zu alternativen Antriebstechnologien nicht von heute auf morgen stattfinden“ erklärt Schallmayer. „Zweitens brauchen auch alternativ angetriebene Fahrzeuge das Know-how einer Massenfertigung. Da haben gerade die deutschen Automobilhersteller wertvolle Erfahrungen aus Jahrzehnten gesammelt.“ Und schließlich, so Schallmayer, würden die heimischen Anbieter mit einem dichten Netz an Händlern und Werkstätten punkten. Der Deka-Experte betont aber auch, dass die Produzenten von BMW bis VW die Entwicklung alternativer Antriebe noch stärker vorantreiben müssen.

Premierenfieber in Frankfurt

In dieser Hinsicht wird auf der IAA einiges geboten. Mercedes zeigt in Frankfurt erstmals sein Elektro-SUV Vision EQA. Ein noch größerer Besuchermagnet dürfte aber der Mercedes-AMG Project One werden – ein „Hypersportwagen“ mit mehr als 1.000 PS und Formel-1-Technologie, von dem nur 275 Exemplare zum Stückpreis von etwa 2,8 Millionen Euro gebaut werden. 

BMW-Chef Harald Krüger hat derweil eine „elektrische Überraschung“ für die IAA angekündigt. Da ein strombetriebener Mini bereits bestätigt ist, spekulieren einige Branchenkenner auf einen BMW i5 mit hoher elektrischer Reichweite. Sicher ist, dass BMW die zweite Generation des emissionsfreien i3 mit überarbeitetem Antlitz und stärkerem Akku auf seinem Stand präsentieren wird.

Audi will in Frankfurt unter anderem mit dem neuen A8 zeigen, wie weit das autonome Fahren bereits ist. Porsche wiederum fährt den neuen Cayenne vor, der zwar als Plug-in-Hybrid erhältlich sein wird, aber nicht als reinrassiger Stromer. Und VW will neben der neuen Generation seines Bestsellers Polo die Scheinwerfer auf das futuristische Elektroauto I.D. Crozz richten.

„Die deutschen Hersteller müssen sich mit ihrem Angebot im internationalen Vergleich wahrlich nicht verstecken“, urteilt Deka-Experte Schallmayer. „Sie sind stark bei der Entwicklung effizienter Benzin-Motoren, die wir noch lange brauchen werden. Beim Absatz von Pkw mit Elektromotoren rangiert BMW weltweit auf Platz Drei. Und aus Deutschland kommen auch innovative Carsharing-Konzepte. Ich erwarte mir von der IAA, dass Stärken wie diese noch etwas besser herausgestellt werden.“

Infos zur IAA 2017
Wo? Auf dem Messegelände der Messe Frankfurt, Ludwig-Erhard-Anlage 1.
Wann? 14. bis 24. September 2017 (Publikumstage ab 16. September), täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet.
Preise: Tagesticket Wochenende 16 Euro, Tagesticket Werktag 14 Euro.Tagesticket ermäßigt 7,50 Euro, Nachmittagsticket 10 Euro. Kinder bis sechs Jahre, Behinderte mit Zusatz "B" und Rollstuhlfahrer haben freien Eintritt. Online-Vorbesteller bekommen teilweise niedrigere Preise.