Konjunktur Dunkle Wolken am Horizont

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni 2019 auf den niedrigsten Wert seit November 2014 gefallen - von 97,9 auf 97,4 Punkte. fondsmagazin erklärt, was das über die Wirtschaft aussagt.


TEXT: Gunnar Erth

Das Ifo-Geschäftsklima ist zum dritten Mal in Folge gefallen. „Der Index bestätigt die derzeitige Schwäche der deutschen Wirtschaft“, sagt Deka-Volkswirt Christian Melzer. Ausschlaggebend für den Rückgang war die Verschlechterung der Geschäftserwartungen um einen Punkt auf einen Wert von 94,2. Die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich hingegen wegen positiver Beurteilungen des Handels und des Dienstleistungsgewerbes unerwartet um 0,1 auf 100,8 Punkte verbessert.

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Warum ist der Ifo-Geschäftsklimaindex eigentlich so wichtig? Lesen Sie, wie der Index mit Unterstützung von Ludwig Erhard entstand, wie er berechnet wird und was ihn einzigartig macht. Unseren Artikel zum Ifo-Index finden Sie hier.

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„Der Rückgang der Ifo-Geschäftserwartungen auf den niedrigsten Stand seit der europäischen Schuldenkrise vor sieben Jahren ist ein klares Alarmsignal“, betont Melzer. „Die deutsche Wirtschaft leidet.“ Hauptgrund für die Probleme ist das eher exportabhängige verarbeitende Gewerbe. Das Ifo-Geschäftsklima für diesen Wirtschaftsbereich ist zum zehnten Mal in Folge gefallen und liegt auf dem tiefsten Stand seit Ende 2012. Dies ist laut dem Münchner Ifo-Institut vor allem einem sinkenden Auftragsbestand geschuldet. Die zahlreichen Belastungsfaktoren vom internationalen Handelsstreit über den Brexit und der italienischen Schuldenkrise bis hin zur allgemeinen globalen Konjunkturabschwächung lassen die Unternehmen kritisch in die Zukunft schauen. Zudem gebe es laut der Deka auch hausgemachte Probleme in der deutschen Automobilindustrie.

Angst vor einem Domino-Effekt

In den letzten Monaten hat der Pessimismus im verarbeitenden Gewerbe sogar noch deutlich zugenommen. „Das deckt sich auch mit der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland seit dem vergangenen Jahr“, erläutert Melzer. „2018 sind wir im zweiten Halbjahr nur haarscharf an der Rezession vorbeigekommen. Ursache waren auch damals vor allem Schwierigkeiten in der Industrie.“

Hält diese Schwäche an, sind Ansteckungseffekte auf den Rest der Wirtschaft möglich. Diese sind im Moment aber noch nicht spürbar. Das Ifo-Geschäftsklima im Handel ist angestiegen und die Stimmung in der Bauwirtschaft hat sich auf sehr hohem Niveau nur leicht eingetrübt. Bei den Dienstleistern bleibt die Stimmung trotz eines leichten Rückgangs gut. Doch je länger die Probleme im verarbeitenden Gewerbe anhalten, desto wahrscheinlicher sind nach Einschätzung Melzers auch Auswirkungen auf den Dienstleistungsbereich, der das Schwergewicht in der deutschen Wirtschaft darstellt. „Der deutliche Rückgang der Geschäftserwartungen bei den Dienstleistungsunternehmen im Juni ist da ein erster Vorgeschmack“, warnt Christian Melzer.

Entscheidende Marke von 100 Punkten

Was macht Donald Trump?

Für eine Trendwende zum Guten müsste sich das verarbeitende Gewerbe stabilisieren. Und das gehe nur durch äußere Impulse: Die Autoindustrie müsste wieder in Schwung kommen, der globale Handel sich beleben und die Risiken im Außenhandel abnehmen. Mit einer Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China beim G20-Gipfel am 28. und 29. Juni allein wäre es nicht getan. „Wenn US-Präsident Donald Trump mit China fertig ist, könnte sich die Frage stellen, was er mit der EU macht. Dann könnte die Androhung von Autozöllen wieder auf die Tagesordnung kommen“, argumentiert Deka-Volkswirt Melzer.

Das bedeutet: Aktuell steht Deutschland am Rande der Rezession. Melzer warnt jedoch vor Panik: „Selbst wenn es eine technische Rezession von zwei negativen Quartalen in Folge geben sollte, zeichnet sich kein schwerwiegender Einbruch der Wirtschaft ab.“

Für Anleger bedeutet dies kurzfristig Chancen und Risiken zugleich. Denn die konjunkturelle Volatilität bleibt hoch. Auf mittlere bis lange Sicht bleibt die Deka bei ihrer eher positiven Einschätzung der Aktienmärkte.

Stand: 24.06.2019