Anlagezertifikate Memory, Relax oder doch lieber mit Airbag?

Wenn es darum geht, Chancen und Risiken eines Investments genau auszusteuern, spielen Anlagezertifikate ihre Stärke aus. Nicht nur, weil es viele Arten davon gibt, sondern weil jede davon noch in unterschiedlichen Varianten erhältlich ist. Was damit für Anleger alles möglich wird, zeigt fondsmagazin am Beispiel von Express-Zertifikaten.


TEXT: Daniel Evensen

So verschieden Express-Zertifi­ka­te im Detail ausgestaltet sein können, eines haben sie alle gemeinsam: Sie richten sich an Anleger, die eher mit einem Seitwärtstrend an den Börsen rechnen. Denn Zinsen fließen bereits, wenn die Aktienmärkte auf der Stelle treten.

Die Verzinsung von Express-Zertifikaten startet bei rund 1 Prozent. Bei offensiveren Varianten kann sie 5 Prozent übersteigen. „Zurzeit handelt die Mehrheit der Anleger nach der Devise: Lieber mit hoher Wahrscheinlichkeit eine etwas niedrigere Rendite als mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine hohe Rendite“, beobachtet Hussam Masri, Leiter Produktmanagement der Deka.

Bevor Anleger sich für ihren Weg entscheiden, sollten sie die Funktionsweise von Express-Zertifikaten kennen. Meist haben die Papiere eine Laufzeit von vier bis sechs Jahren. Während dieses Zeitraums wird an festgelegten Beobachtungstagen – zum Beispiel alle sechs Monate oder einmal im Jahr – kontrolliert, wie sich der Basiswert entwickelt hat.

Nehmen wir an, es handelt sich beim Basiswert um den Euro Stoxx 50®, dann wird überprüft, ob dieser Aktienindex am Stichtag auf oder über seinem Wert zum Start des Zertifikats notiert. Ist das der Fall, wird das Zertifikat zuzüglich Zinsen vorzeitig zurückgezahlt – fertig. Ist der Euro Stoxx 50® an diesem Tag unter diese sogenannte Tilgungsschwelle gerutscht, gibt es keine Zinsen, und das Zertifikat läuft weiter bis zur nächsten Überprüfung.

Am Laufzeitende kommt ein Puffer, der als Barriere bezeichnet wird, zum Tragen. So­lange der Euro Stoxx 50® auf oder über der Barriere liegt, erhalten Anleger ihren kompletten Einsatz abzüglich eines eventuellen Ausgabeaufschlags zurück. Erst bei Unterschreiten dieser Grenze entstehen Verluste.

Mehrwert muss sein

So weit die Grundkonstellation, nun zu den Extras – aber nicht x-beliebigen. „In der Theorie sind den Gestaltungsmöglichkeiten bei Zertifikaten kaum Grenzen gesetzt. Aber nicht alles, was machbar ist, bietet den Anlegern einen Mehrwert“, betont Deka-Stratege Masri. „Wir arbeiten eng mit den Sparkassen zusammen, damit wir Produkte entwickeln, die den Kundenbedürfnissen möglichst gerecht werden.“

Beliebt ist zum Beispiel der Airbag. Sollte der Puffer eines Zertifikats einmal nicht ausreichen, kann er Verluste abfedern. Großer Nachfrage erfreut sich auch der Memory-Mechanismus. Er sorgt dafür, dass verpasste Zinszahlungen bei Zertifikaten unter bestimmten Bedingungen nachgeholt werden. Das Extra Relax wiederum senkt am Laufzeitende die Anforderung für eine Zinszahlung. 

Anleger können beim Zins auch gleich auf Nummer sicher gehen und zum Typ Pro oder Plus greifen. „Seit Sparanlagen praktisch keine Erträge mehr abwerfen, setzen viele auf diese Express-Zertifikate mit festem Zins, der unabhängig davon gezahlt wird, wie sich der Basiswert entwickelt“, erklärt Masri. Wählen Anleger noch dazu einen großen Puffer von 50 Prozent oder mehr, können sie dem Geschehen an den Märkten gelassener zusehen – für solche Polster sinkt allerdings die Rendite­chance. Anleger sollten auch bedenken, dass sie nicht an einer positiven Wertentwicklung des Basiswerts teilnehmen. Es gibt zudem keine Express-Zerti­fikate, die Verluste komplett ausschließen können.

Auch das Emittentenrisiko ist zu beachten: Gerät der Herausgeber eines Zertifikats in finanzielle Not, kann es zum Totalverlust kommen. Die Bonität der DekaBank wird von der Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) mit der sehr guten Note A+* bewertet.

Bleibt die Frage, welche der Zertifikate-Varianten zu wem passt. Dies können die Anleger am besten gemeinsam mit ihren Sparkassenberatern herausfinden.