Gesundheit Milliardenmarkt Medizin – Für immer jung

Mit innovativer Forschung kämpfen Mediziner weltweit immer erfolgreicher für ein langes, gesundes Leben der Menschen. Das ist auch für Anleger gut.


TEXT: Daniel Evensen

Die jüngsten Meldungen aus medizinischen Forschungslaboren klingen wie Science Fiction: In Japan dürfen Wissenschaftler Mischwesen aus Mensch und Tier züchten, die eines Tages menschliche Organe produzieren sollen. Derweil ist es Forschern der Carnegie Mellon University in Pittsburgh gelungen, funktionierende Teile eines Herzens mit einem 3D-Drucker herzustellen. Und Gregory Fahy, medizinischer Direktor beim Unternehmen Intervene Immune, behauptete unlängst gar bei einem Vortrag in New York, dass er die komplette Lebensuhr von Menschen zurückgedreht habe. Neun Probanden, die mit seiner Wirkstoffkombination behandelt wurden, seien biologisch um zweieinhalb Jahre verjüngt.

Ob und wann die Menschheit von diesen Entwicklungen profitieren wird, ist noch offen. Aber auch in der schon heute praktisch angewandten Medizin steckt bereits viel Potenzial. Eine wichtige Ursache dafür war die Entschlüsselung der menschlichen Erbsubstanz. Im Jahr 1990 hatte das Humangenomprojekt die erste Sequenzierung eines menschlichen Genoms gestartet. Die Untersuchung, bei der die Reihenfolge von Milliarden Basen in den DNA-Strängen bestimmt wurde, dauerte mehr als zehn Jahre und kostete drei Milliarden US-Dollar. Das war einmal. „Die Sequenzier-Maschinen von Marktführer Illumina erledigen heute die gleiche Arbeit in wenigen Stunden für unter 1.000 Dollar“, erklärt Jennifer Jürgens, Fondsmanagerin der Deka. Diese Revolution in der Sequenzierung ist die Grundlage für Behandlungserfolge bei Erbkrankheiten und in der Krebsforschung. „Mediziner können dadurch Krebs und seine Mutationen heute viel besser verstehen und bekämpfen.“

Innovationsturbo Gentherapie

Das amerikanische Unternehmen Guardant Health beispielsweise analysiert mit einem einfachen Bluttest die DNA menschlicher Krebszellen und bestimmt, welche Medikamente beim Patienten die größte Wirksamkeit versprechen. Alexander Eickhoff, Fondsmanager von Deka-MegaTrends : „Zurzeit funktioniert die Methode vor allem bei Tumoren im fortgeschrittenen Stadium. Guardant arbeitet aber ebenso an DNA-Tests zum Nachweis von Krebs im Frühstadium.“ Das Potenzial wird als sehr hoch eingeschätzt – auch von Investoren.

Megamarkt Gesundheit

Wichtige Durchbrüche hat es in jüngster Zeit dank Gentherapie auch bei seltenen und meist genetisch bedingten Krankheiten gegeben. „Über eine leere Virushülle reicht man Patienten korrigierte DNA ein, die sich im Körper verbreitet und die Krankheit stoppen oder verlangsamen kann“, erklärt Deka-Biotech-Expertin Jennifer Jürgens. Die Gentherapie wird zum Beispiel bei der Spinalen Muskelatrophie (SMA) eingesetzt. Jürgens hat sich mit den neuartigen Behandlungen intensiv befasst: „Diese Erbkrankheit hat schlimme Folgen für Kinder. Sie können keine richtigen Muskeln entwickeln, nicht selbst sitzen, es treten Lähmungen auf und meist ein früher Tod. Die Gentherapie Zolgensma bremst diesen Muskelschwund, die bisherigen Resultate sind ermutigend.“

Avexis, der Entwickler von Zolgensma, wurde 2018 von Novartis aufgekauft. Der Schweizer Großkonzern hatte Avexis übernommen, mit einem Kaufangebot an die Aktionäre, das mehr als 80 Prozent über dem damaligen Aktienkurs lag. Das Unternehmen Biomarin wiederum arbeitet an einer Gentherapie gegen die Erbkrankheit Hämophilie, als Bluterkrankheit bekannt, weil bei den Patienten die Blutgerinnung gestört ist. Noch ist das Präparat von Biomarin aber in der Erprobung.

Noch einen Schritt weiter als die Gentherapie geht das Gene Editing, auch plakativ als Genschere bezeichnet. Bei dieser Technologie wird die DNA ganz gezielt an einer bestimmten Stelle durchtrennt. Dann können einzelne DNA-Buchstaben ausgetauscht, Teile des Gens entfernt oder neue Sequenzen eingefügt werden. Das Erbgut lässt sich so, wenn die Forschung erfolgreich verläuft, fast nach Wunsch verändern.

Allerdings passiert es auch immer wieder, dass die Hoffnungen der Wissenschaftler platzen. So teilte der US-Konzern Biogen Ende März mit, dass er nach jahrelanger Entwicklung die Arbeit am Alzheimer-Medikament Aducanumab einstellt. Die Aktie verlor daraufhin an nur einem Handelstag fast 30 Prozent ihres Wertes.

Das Gesundheitsbewusstsein wächst

Solche Kurseruptionen sind bei Intuitive Surgical nicht zu erwarten. Das wichtigste Produkt des Unternehmens, der Da Vinci Chirurgie-Roboter, ist seit Jahren auf dem Markt und in großen Krankenhäusern begehrt. „Die Präzisionsschnitte des Roboters reduzieren den Blutverlust der Patienten bei Operationen und es kommt auch zu weniger Infektionen“, erklärt Deka-Fondsmanager Eickhoff. Intuitive Surgical verdient nicht nur am Verkauf der gut eine Million US-Dollar teuren Roboter, sondern auch an Service, Schulung und Zubehör.

Seltene Krankheiten weit verbreitet

So viele Fortschritte die Medizin auch macht, die eingangs angesprochene Verjüngungskur ist noch Zukunftsmusik und für viele andere Zivilisationskrankheiten gilt nach wie vor: am besten ist es, von vornherein selbst etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Das ist den meisten Menschen klar, allerdings handeln sie eben längst nicht immer danach. So sind heute fast 40 Prozent der Erwachsenen auf der Welt übergewichtig, ein bedeutender Faktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch die Bereitschaft, mehr für eine gesündere Lebensweise zu tun, wächst.

Davon profitiert zum Beispiel die US-Fitnesskette Planet Fitness, die schon mehr als 1.700 Studios mit über 12 Millionen Mitgliedern hat. Planet Fitness ist übrigens börsennotiert – auch in Kraftsport lässt sich also investieren. Welche Möglichkeiten Fondsanleger haben, um am Megatrend Gesundheit zu partizipieren, lesen Sie hier.

Stand: 27.08.2019