Geldanlage Neues bei den Nebenwerten

Mitte März verändert sich die Zusammensetzung der kleinen Brüder des Dax kräftig: Das sind die Gründe für Auf- und Abstieg in M-Dax und S-Dax – und so können aktive Anleger Chancen nutzen


TEXT: Peter Weißenberg

Von wegen „Bremse“ – im Eil-Tempo hat es ein Newcomer gleich in den M-Dax geschafft: Am 18. März zieht Knorr-Bremse per sogenanntem „Fast Entry” in den Börsenindex der 60 bedeutendsten Nebenwerte ein. Und das, obwohl der Bremsen-Spezialist für Nutzfahrzeuge und Züge erst gegen Jahresende 2018 zum Kurs von 80 Euro an die Börse gegangen ist.

Allerdings war schon die Art dieses Börsengangs ein deutliches Zeichen für den schnellen Einzug in den Nebenwerte-Tempel. Denn mit 3,7 Milliarden Euro hat Knorr-Bremse den zweitgrößten Börsengang des Jahres hingelegt –, obwohl zeitgleich die Aktienkurse kräftig absackten und andere potenzielle Börsenneulinge erst mal ihre Pläne ruhen ließen. Die Knorr-Aktie liegt inzwischen deutlich über dem Ausgabekurs.

Matthias Both beobachtet das Auf und Ab in den Indizes genau. Für Fondsmanager der Deka wie ihn ist allein die Zugehörigkeit zu einem Index allerdings „kein Kriterium“, um so eine Aktie für Fonds wie beispielsweise den Deka-Deutschland Nebenwerte auszuwählen. Im Allgemeinen sei zwar ein Aufstieg durchaus „Lohn für erfolgreiche Arbeit“, so Both. Die Aufnahme in einen Index könne aber auch lediglich technisch bedingt sein; also allein, weil der Wert der frei handelbaren Aktien dafür groß genug ist (Die genauen Regeln für Auf- und Abstieg lesen Sie in der Info am Ende dieses Artikels). Über die Substanz des Unternehmens sagt diese Zugehörigkeit zum Index allein noch nicht viel. „Hier ist es unsere Aufgabe, klar zu differenzieren.“ Die Fondsexperten analysieren also vor allem eine Frage: Wie gut ist das Unternehmen jenseits aller Verteilungen der Aktien für die Zukunft aufgestellt?

Die Knorr-Bremse ist nicht allein

Für die Deutsche Börse dagegen ist die Marktkapitalisierung entscheidendes Kriterium für den Aufstieg. Knorr-Bremse ist darum beim Weg in die erste Liga der indexierten Nebenwerte auch nicht allein: Dialog Semiconductor steigt ebenfalls auf. Allerdings nicht aus dem börsianischen Nichts: Der Halbleiterhersteller ist schon seit vielen Jahren an der Börse und gehört zugleich auch zu den Werten im Tec-Dax.

In den M-Dax klettert Dialog Semoconductor aus dem kleineren S-Dax – dort sind 70 Firmen mit geringerer Marktkapitalisierung versammelt. In den S-Dax abwärts geht es mangels ausreichender Marktkapitalisierung per „Fast Exit“ für den Stahlkonzern Salzgitter und Autozulieferer Schaeffler.

Unter anderem durch deren Abstieg gibt es auch im S-Dax deutliche Veränderungen. Nach den „Fast Exit Regeln“ müssen die Biotechfirma Medigene, der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus, Maschinenbauer DMG Mori und der Schienenlogistik-Konzern VTG weichen. Letzteren will der Großaktionär aber ohnehin von der Börse nehmen, weil der Anteil der frei handelbaren Aktien bei weniger als 15 Prozent liegt.

Ein Abstieg muss nicht endgültig sein

Neu im S-Dax sind Batterieproduzent Varta, Netzwerkausrüster Adva Optical Networking, der Mischkonzern Baywa und Personaldienstleister Amadeus Fire. Auch die beiden letztgenannten sind dort altbekannt: „Die Beispiele Amadeus Fire und Baywa zeigen, dass ein Abstieg nicht endgültig sein muss“, so Both. Mangels Marktkapitalisierung mussten beide erste vor eineinhalb Jahren den Index verlassen – aber ihre Performance seitdem war so gut, dass jetzt die Rückkehr in den S-Dax geschafft ist.

Anleger, die wie Experte Both Champions ihres Branchensegments unter den kleineren Firmen suchen, die sollten auf eine genaue Analyse der Stärken achten: „Wir kaufen vor allem interessante Geschäftsmodelle mit attraktiver Bewertung.“ Und die finden die Profi-Anleger vor allem durch langfristige und tiefe Analyse. „Dies ist das Herzstück des Deka-Deutschland Nebenwerte“, sagt Both. Das Fondsmanagement versuche, frühzeitig die kleinen, attraktiven Unternehmen zu identifizieren – und begleite „diese dann im optimalen Fall langfristig mit“. Schon früh in diesem Prozess gebe es regelmäßigen Kontakt zu den Vorständen. Dazu kommen Betriebsbesichtigungen, Zahlenstudium, Gespräche mit Kunden des Kandidaten oder die Vergleiche mit Konkurrenten.

Die Dynamik im Verborgenen

Einige Aktien hat die Deka dadurch „sowohl beim als auch nach dem Börsengang begleitet“, so Both. So kann der Anleger von der Dynamik dieser „Hidden Champions" frühzeitig profitieren – wenn vom Aufstieg in einen Index noch gar keine Rede sein kann. Kommt dann der Schritt in den nächstgrößeren Index, freuen sich die Deka-Manager „besonders für die Aufsteiger, die wir schon länger begleiten“. Denn solche „kleinen Perlen rücken dann in den Fokus einer zusätzlichen internationaleren Investorengruppe“. Das kann auch Schubkraft für den Kurs bedeuten. Bei Nebenwerte-Fonds muss aber auch mit aktientypischen Kursschwankungen gerechnet werden, die phasenweise in negatives Terrain führen können.

Genau wie Dialog Semiconductor ist übrigens auch Adva Optical Networking bereits als Tec-Dax-Wert bekannt. Aus diesem Index ist Adva allerdings vor einem Jahr abgestiegen, weil die Masse der Aktien im Streubesitz nicht ausreichte, um unter die 30 Werte dieses Index zu gelangen. Aber vielleicht wird es ja später noch etwas mit der Rückkehr in den Index der Tech-Werte. Denn gerade die Veränderungen am 18. März beweisen ja: Der Weg in einen Index ist niemals eine Einbahnstraße.

Das sind die Auf- und Abstiegsregeln

Am dritten Arbeitstag im jeweils letzten Monat eines Quartals entscheidet die Deutsche Börse darüber, wie sich ihre Indizes Dax, MDax, SDax und TecDax künftig zusammensetzen. Die Regeln für einen extra-schnellen Auf- und Abstieg, genannt „Fast Entry“ und „Fast Exit“, werden dabei immer geprüft. Die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien entscheiden über die Zugehörigkeit zu einem Index. Dabei wird die Messlatte nur auf die Aktien im Streubesitz in den letzten 20 Handelstagen angelegt. Papiere, die Großanleger halten, zählen also nicht dazu. Zudem wird der Börsenumsatz der letzten zwölf Monate als Basis genommen. Nur wenn eine Firma erst kürzer an der Börse notiert, wird dieser Umsatz hochgerechnet. Neben dem schnellen Auf- und Abstieg gibt es auch noch den „Regular Entry“ und „Regular Exit“: Der wird beim Dax nur im September geprüft, bei den anderen Indizes zusätzlich noch im März. Dabei sind die Schlusskurse per Ende des jeweiligen Vormonats Grundlage der Entscheidung.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten.

Stand: 15.03.2019