Altersvorsorge So viel ist Ihre Rente wirklich wert

Wer wissen möchte, wie viel Geld er im Alter tatsächlich zur Verfügung hat, darf die bei der Altersrente anfallenden Abzüge nicht vergessen. fondsmagazin rechnet vor.


TEXT: Daniel Evensen

Alle, die mindestens fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben und 27 Jahre oder älter sind, kennen sie: die jährlich zugesandte Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Und hier sind nicht nur die Zahlen wichtig, es lohnt sich auch, den Text zu lesen. Besonders interessant ist aber natürlich erstmal die voraussichtliche Höhe des Rentenanspruchs, die unter der Annahme erstellt wird, dass der Beitragszahler weiterhin so viel verdient wie in den vergangenen fünf Jahren. Dabei geht die Rentenversicherung davon aus, dass der Betreffende nicht vorzeitig in Rente geht – sonst gibt es Abschläge. (siehe Grafik unten)

Für einen 30-Jährigen, der den Großteil des Berufslebens vor sich hat, bietet die Renteninformation zumindest eine grobe Orientierung. Für einen 55-Jährigen hat die Hochrechnung sogar eine hohe Aussagekraft darüber, mit welcher Rente er rechnen kann – allerdings brutto. Darauf weist die Renteninformation auch ausdrücklich hin: „Bitte beachten Sie, dass von der Rente auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern zu zahlen sind.“ Und zwar nicht zu knapp, könnte man ergänzen.

Der Fiskus als treuer Begleiter

Um mit den Steuern zu beginnen: Grundsätzlich sind Renten und Einkünfte im Alter steuerpflichtig. Aktuell müssen 78 Prozent der gesetzlichen Rente versteuert werden. In vielen kleinen Schritten steigt der Anteil bis 2040 auf 100 Prozent. Von dieser zu versteuernden Rente wird noch ein Grundfreibetrag abgezogen. 2019 liegt der Freibetrag bei 9.168 Euro, 2020 wird er um 2 Prozent steigen und danach bis 2040 jedes Jahr um 1 Prozent. Außerdem gewährt der Fiskus Rentnern aktuell noch einen Altersentlastungsbetrag auf Nebeneinkünfte – etwa aus einer beruflichen Tätigkeit oder Vermietung. Allerdings sinkt auch diese Entlastung bis 2040 stufenweise auf null. So wird die Steuerschraube mit der Zeit immer weiter angezogen.

Mehr als die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland erhält aber neben der Altersrente noch eine betriebliche Altersversorgung – und auch die unterliegt der Steuerpflicht. Genau wie die Riester-Rente, private Rentenversicherungen, Kapitaleinkünfte und wie bereits erwähnt Mieteinkünfte und Einkommen aus beruflicher Tätigkeit. Dem Fiskus entgeht nichts.

Kostspielige Krankenversicherung

Die Kranken- und Pflegeversicherung ist bei vielen Rentnern ein weiterer großer Batzen unter den Abzügen. 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag der jeweiligen Kasse werden für die gesetzliche Krankenversicherung von der Bruttorente abgerechnet. Wer allerdings mindestens 90 Prozent der zweiten Hälfte seines Berufslebens gesetzlich versichert war, zahlt nur die Hälfte selbst, den Rest übernimmt die Krankenversicherung der Rentner (KVdR). Krankenkassenbeiträge auf Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten müssen Rentner übrigens komplett alleine stemmen. Bei Privat Krankenversicherten ist der jeweilige Versicherungstarif für die Abzüge ausschlaggebend, wobei die Beiträge im Alter sogar oftmals steigen. Auf Antrag erhalten auch Privat Krankenversicherte von der KVdR Zuschüsse. Für die Pflege werden bei Rentnern weitere 3,05 Prozent (3,3 Prozent für Kinderlose) von der Bruttorente fällig. Das alles kann ins Geld gehen.

Das Ende der Fahnenstange ist auch jetzt noch nicht erreicht. Nach Abzug von Steuern und Krankenversicherungsbeiträgen steht unterm Strich zwar die Nettorente. Wie viel diese wirklich wert ist, hängt aber auch von der Inflation ab. Mit den Jahren sinkt die Kaufkraft der Rente immer weiter.

Wer handelt, ist im Vorteil

Das Endergebnis mag ernüchternd aussehen. Doch wer rechtzeitig die private Vorsorge in Angriff nimmt und ein Kapitalpolster aufbaut, hat gute Aussichten seine Rentenlücke zu schließen. Beispielsweise reichen 144.000 Euro aus, um 15 Jahre lang monatlich 800 Euro Extrarente zu finanzieren. Legt man den Kapitalsockel in der Auszahlungszeit gewinnbringend an, ist sogar noch mehr möglich. Fondssparpläne und staatlich geförderte Riester-Fondssparpläne setzen auf die Chancen der Wertpapiermärkte und sind daher die Mittel der Wahl, um die gewünschte Summe anzusparen.

Was von der Rente bleibt

Stand: 26.09.2019