Reportage Warten auf das Jahr 2030?

Rund 300 Kunden strömen zum Finanzforum der Stadtsparkasse Düsseldorf, weil sie wissen möchten, wie es an den Märkten weitergeht. Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater präsentiert ihnen einen Ausblick, der es in sich hat. Nach der Bestandsaufnahme fragt fondsmagazin die Besucher, wie sie in Niedrigzinszeiten anlegen.


TEXT: Daniel Evensen

„Als ehemaliger Lehrbeauftragter an der Uni Köln verbindet mich eigentlich mehr mit der Domstadt“ – ein Raunen geht durchs Düsseldorfer Publikum, als Ulrich Kater seinen Vortrag mit einem augenzwinkernden Geständnis beginnt. Mit Komplimenten an die Landeshauptstadt kann der Volkswirt die Zuhörer aber schnell wieder besänftigen. Später, bei seiner Zinsprognose, wird die Unruhe länger anhalten. Denn für Zinssparer hat der Deka-Chefvolkswirt an diesem Winterabend keine tröstenden Worte.

Doch der Reihe nach. Was die Weltwirtschaft angeht, verbreitet Kater Optimismus. Das Jahr 2018 werde so schwungvoll ausfallen wie 2017: „Die Konjunktur befindet sich im Dauerlauf.“ Er gehe davon aus, dass sich das Wachstum auch auf lange Sicht fortsetze und sich die Kräfte dabei langsam von den Industriestaaten zu den Schwellenländern verschieben. Die Inflation dürfte sich bei etwa 2 Prozent einpendeln.

Weltwirtschaft auf Expansionskurs


Der Ökonom empfiehlt: „In diesem positiven Umfeld sollten Sie einen Teil Ihres­ Geldes in die Wirtschaft investieren – mit Aktien und Unternehmens­anleihen.“ Dann blickt Kater ins Publikum und liest in den Gesichtern vor allem noch eine Frage: Wenn die Konjunktur so robust ist, gibt es dann bald wieder ordentliche Sparzinsen? „Zinssätze, wie wir sie von früher kennen, vielleicht um das Jahr 2030.“ Bis dahin suche eine ganze Gene­ration von Berufstätigen an vielen Plätzen­ der Welt händeringend nach Anlagen für ihre Vorsorge. Diese große Nachfrage drücke den Zins.

Ein Nullsummenspiel

Nach Einschätzung des Volkswirts dürfte es allein fünf Jahre dauern, bis wenigstens die Marke von 2 Prozent zurückerobert ist. Und 2 Prozent Zins abzüglich 2 Prozent Inflation ergibt null. Solange die Verzinsung noch unterhalb der Inflation liegt, machen Zinssparer sogar ein sattes Minusgeschäft.


„Immer mehr unserer Kunden öffnen sich für Wertpapiere“

Die Menschen für die gravierenden Folgen der Zinsmisere zu sensibilisieren, das ist eines der Ziele, die Sparkassenvorstand Michael Meyer – der Gastgeber des Finanzforums – verfolgt. Denn obwohl es schon so lange keine Zinsen mehr gibt, wachsen die Einlagen bei der Stadtsparkasse Düsseldorf weiter. Meyer: „Auf lange Sicht sind die Auswirkungen fatal, da den Kunden neben dem Zins auch der Zinseszins entgeht, der Renditeturbo für den Vermögensaufbau.“ Neben wachsenden Einlagen konstatiert der Sparkassenvorstand aber auch, dass sich „immer mehr Kunden für Wertpapiere öffnen“.


Einer davon ist Herbert Fischer1, der seit fünf Jahren auf Empfehlung seines Sparkassenberaters in Aktien-, Renten-, und Immobilienfonds investiert. Fischer fühlt sich durch den Marktausblick in seiner Entscheidung bestätigt. „Mir machen die Niedrigzinsen nichts mehr aus“, freut er sich. Und seine Erfahrungen mit Investmentfonds? „Top! Ich sehe regelmäßig online in mein DekaBank Depot. Hin und wieder gibt es schwächere Tage, aber im Großen und Ganzen läuft es toll. Ich bin richtig stolz auf meinen Berater.“ Für den Pensionär selbst sind die Anlageergebnisse gar nicht von so großer Bedeutung, denn er hat alles, was er braucht. Doch Fischer möchte seinen Kindern und Enkeln etwas weitergeben.

Das Ehepaar Weber, beide um die 60, hat sich bereits mit Mitte 20 die ersten Aktien und Fonds gekauft, um sich auch mal etwas leisten zu können. „Früher sind wir fast jeden Abend bei der Sparkasse vorbeigegangen, um im Aushang nachzusehen, ob die Kurse gestiegen oder gefallen sind“, erinnert sich Petra Weber. Heute sind die beiden abgeklärter. Sie investieren breit gestreut und nutzen das Finanzforum für den Gedankenaustausch mit Beratern und Börsenexperten.

Depot umschichten

Was nehmen sie mit von diesem Abend? „Dass die Zinsen länger unten bleiben als gedacht und dem Aktienmarkt wohl nicht so schnell die Luft ausgehen wird“, antwortet Peter Weber. „Bisher haben wir immer 30 Prozent in Aktien und 70 Prozent in Anleihen angelegt, jetzt tendieren wir zu 50/50.“ Außerdem will sich das Ehepaar etwas stärker in Richtung Schwellenländer orientieren. „Ich war beruflich viel in asiatischen Ländern unterwegs, das sind spannende Märkte“, sagt Peter Weber. Jedoch sind Gewinne an der Börse nicht garantiert. Ulrich Kater stimmt das Düsseldorfer Publikum denn auch auf stärkere Kursschwankungen ein, wenn die Notenbanken künftig nicht mehr so viel Liquidität in die Märkte pumpen werden wie bisher. Zudem seien die Erwartungen der Investoren an die Unternehmensgewinne hoch. „Da kann es bei Enttäuschungen schon mal zu Abschlägen von 10 Prozent kommen“, sagt Kater. „Schwächephasen bieten aber eine gute Gelegenheit, um Bestände in Aktienfonds mit langfristiger Perspektive aufzustocken.“

Diskussionsbedarf

Das hat sich auch Roger von den Steinen vorgenommen. Der langjährige­ Kunde der Stadtsparkasse Düsseldorf denkt ­dabei an den Schwarzen Montag an der Wall Street zurück. Im Oktober 1987 fiel der Dow Jones an einem einzigen Handels­tag um über 20 Prozent auf rund 1.700 Punkte – heute notiert er bei etwa 25.000. „Selbst wer am Tag vor dem Crash eingestiegen war und seine ­Aktien­ gehalten hat, ist heute sehr glücklich“, meint von den Steinen. Er hatte schon ­immer­ ein Faible für Aktien, durch die Niedrigzinsen haben sie aber einen anderen Stellenwert für ihn bekommen: „Weil ich mein Leben lang selbstständig tätig war, kann ich mich nicht auf eine gesetzliche Rente verlassen. Ich muss mich selbst um eine ausreichende Vorsorge kümmern.“

Neugier auf Aktien


Um das finanzielle Polster geht es auch J. Sturr. Als sich die Talfahrt der Zinsen um das Jahr 2010 beschleunigte, hatte der heute 50-Jährige genug. „Da kam die Neugier: Was geht denn noch bei der Geldanlage?“, sagt Sturr. „Wie sich zeigt, gehen Aktien und Fonds ziemlich gut.“ Er kennt die Risiken an der Börse, bisher hat er aber jedes Jahr gut abgeschnitten.

Deshalb kann Sturr kaum glauben, dass nur etwa jeder zehnte Deutsche Aktien und Fonds besitzt: „Das müssten doch viel mehr sein.“ Auch bei der Stadtsparkasse Düsseldorf investieren längst nicht alle Kunden in Wertpapiere. Gut möglich, dass nach diesem Abend aber einige hinzugekommen sind.