Börsenrückblick 2019 Wilde Fahrt mit Happy End

Es war zuweilen wie bei einer wilden Achterbahnfahrt: Mal runter, mal rauf, und hinter jeder Ecke lauerten unabsehbare Wendungen. Aber am Ende ist alles gut gegangen. fondsmagazin zeigt eine Auswahl wichtiger Ereignisse in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, erklärt, was sie für die Kapitalmärkte und Anleger bedeuteten – und oft auch noch 2020 bedeuten werden.


TEXT: Peter Weißenberg

Januar

Das ist geschehen: Die Wirtschaftswelt geht mit einer Menge Handycaps ins neue Jahr: Unternehmen leiden unter Handelsbeschränkungen, die Konjunkturausblicke bleiben mit Unsicherheit behaftet, und im Vereinigten Königreich steht weiter der harte Brexit im Raum.

Das bedeutet es: Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater analysiert angesichts der Hiobsmeldungen schon zu Jahresbeginn: „Dass hierüber keine rechte Stimmung aufkommen will, ist verständlich." Irgendwann werde aber auffallen, „dass die Welt nun wiederum auch nicht so schwarz ist, wie sie jetzt gemalt wird”.

Februar

Das ist geschehen: Der Monat startet mit einem echten Börsenhammer. Die US-amerikanische Notenbank Fed verkündet eine Zinspause und lässt ihren Leitzins unverändert. Die Berichtssaison beginnt mit düstereren Aussichten wegen der konjunkturellen Eintrübungen.

Das bedeutet es: Allen Unsicherheiten zum Trotz stützt die Aussicht auf billiges Geld auch in den USA die Kurse massiv. Die Entscheidung der Fed gibt für das ganze Jahr eine Grundstimmung aus.

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März

Das ist geschehen: Angewandte Chaostheorie in Großbritannien – aus dem magischen Austrittsdatum 29. März wird nichts, und auch der 12. April als nächste Deadline wird nur ein Aprilscherz. Derweil schwenkt auch die EZB mit weiteren Erleichterungen für das Bankensystem auf die neue US-Linie der Geldpolitik ein.

Das bedeutet es: „Sollte die wirtschaftliche Entwicklung in Europa in den kommenden Wochen Fahrt aufnehmen, sieht es für Aktien schlagartig wieder sehr gut aus”, prophezeit Ulrich Kater angesichts der konzertierten Notenbank-Aktionen.

April

Das ist geschehen: Die Kurserholung geht weiter: Der Dax knackt wieder die 12.000er-Marke. Und das trotz des Einbruchs der Auftragseingänge in der deutschen Industrie, der insbesondere aus dem Ausland kam und damit die Sorgen vor der internationalen Industrierezession weiter schürte. Auch beim Brexit geht das Drama weiter.

Das bedeutet es: Viele Marktteilnehmer meinen, bereits Stabilisierungssignale aufgefangen zu haben, analysieren die Deka-Volkswirte. Dazu kommt die Unterstützung der Notenbanken. Es spricht darum im April bereits viel für eine weitere Erholung der Kurse im Jahresverlauf. Ulrich Kater warnt allerdings vor zu starken Frühlingsgefühlen: „Die Entwicklung bis dahin könnte noch das eine oder andere Schlagloch aufweisen.” Da wird der Experte recht behalten.

Mai

Das ist geschehen: Nach Zugewinnen in den Wochen zuvor schlägt der Dax jetzt wieder die Gegenrichtung ein. Der Konflikt zwischen den USA und China verschärft sich weiter – nicht zuletzt dadurch, dass nun der chinesische Telefonriese Huawei auf einer schwarzen Liste der Amerikaner steht. In Europa lässt die italienische Regierung ihr Haushaltsdefizit aus dem Ruder laufen. Und Großbritanniens Premierminierin Theresa May kann ihren Brexit-Deal nicht retten; sie kündigt entnervt ihren Rücktritt zum Ende Juli an.

Das bedeutet es: Sell in May and go away ... Wer das am 1.Mai gemacht hat, lag zunächst richtig – aber nur, wenn er auch Teil II dieser Börsenweisheit beachtet hat: rechtzeitig wieder einzusteigen. Die einfachere Lösung: regelmäßig mit Fondssparplänen investieren und den kurzfristigen Aufs und Abs an der Börse nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Diese Strategie hat sich auch 2019 wieder bewährt.

Juni

Das ist geschehen: Halbzeit im Kapitalanlagejahr 2019. Das zweite Quartal ist konjunkturell ein Totalausfall. Gerade die deutschen Autohersteller und ihre Zulieferer leiden unter den Folgen von Nachfrageschwächen und teuren Investitionen in die Transformation der Firmen zu nachhhaltgien Antrieben. Doch die Aussicht auf noch niedrigere Zinsen kompensiert in den Augen der Börsianer die maue Wirtschaftslage. Eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China ist nicht in Sicht, dafür einmal mehr die Gefahr eines harten Brexits.

Das bedeutet es: Große Unsicherheiten – die Börsianer bleiben dennoch verhältnismäßig gelassen: „Keine guten Aussichten, aber die Börsianer sind mittlerweile daran gewöhnt”, sagt Ulrich Kater.

Juli

Das ist geschehen: Heißer Sommer: Boris Johnson wird der neue britische Premier und verspricht, den Brexit zu vollziehen, komme, was wolle. Der Dow-Jones klettert angesichts von Zinssenkungsfantasien erstmals auf mehr als 27.000 Punkte. Auch im Euroraum wird die Nominierung der IWF-Chefin Christine Lagarde zur künftigen EZB-Chefin als Signal für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik gesehen; Vorgänger Mario Draghi setzt ohnehin die Zeichen auf eine anhaltend expansive Geldpolitik.

Das bedeutet es: Die Kür des enfant terrible Johnson zum Mr. Brexit lässt die Börsen kalt. Die Zinsschritte sind wichtiger und unterstützen die Aktienmärkte.

Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater

August

Das ist geschehen: Das britische Parlament und Premierminister Johnson beginnen einen Dauer-Ringkampf, der am Ende in Neuwahlen münden wird. In Deutschland sinkt das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal, es droht sogar eine leichte Rezession. Immerhin: China und die USA reden wieder miteinander über ein Ende des Handelskonfliktes.

Das bedeutet es: Der Brexit nähert sich dem Showdown; endlich! Und zur düsteren Prognose der deutschen Konjunktur entwarnt Ulrich Kater: „Anleger sollten nicht den Fehler begehen, die Welt nur durch die deutsche Brille zu betrachten. Trotz einer Reihe aktueller Probleme wächst die Weltwirtschaft mit einer Rate von drei Prozent." Aktien haben darum weiterhin Renditepotenzial. So kommt es auch.

September

Das ist geschehen: Sag zum Abschied laut Servus: Mario Draghi verkündet, dass die EZB erneute Anleihekäufe im Volumen von 20 Milliarden Euro monatlich tätigen wird – und erst wieder einstellt, wenn sich die Inflationsrate im Euroraum Richtung 2 Prozent bewegt. Das kann sehr lange dauern. In den USA steht Präsident Trump vor einem Amtsenthebungsverfahren, weil er die Ukraine erpresst haben soll, seinem Rivalen Joe Biden zu schaden.

Das bedeutet es: Die US-Wirtschaftszahlen sind zu stark, als dass eine Schwächung des Präsidenten den Kursen etwas anhaben könnte. Und in Europa zementiert Draghi mit seiner letzten geldpolitischen Entscheidung vor der Amtsübergabe an Christine Lagarde „die Nullzinspolitik für eine überraschend lange Zeit”, analysiert Ulrich Kater.

Oktober

Das ist geschehen: Mit Sanktionen gegen Airbus droht der Handelsstreit zwischen den USA und Europa wieder zu eskalieren – und das ausgerechnet jetzt, wo die Wogen im Streit zwischen den USA und China flacher werden. Der Brexit wird wieder mal verschoben, diesmal auf Ende Januar. Und der amerikanische S&P 500-Aktienindex erreicht wie auch der Dax neue Jahreshochs.

Das bedeutet es: Die Börsianer haben fundamentale Daten und Aussichten im Blick. Und die sehen für die Wirtschaft vor allem wegen der starken Botschaften vom Geldmarkt einfach zu gut aus. Außerdem scheinen viele Anleger inzwischen an die ständigen politischen Aufgeregtheiten gewöhnt, analysieren die Deka-Volkswirte.

November

Das ist geschehen: Konjunkturelle Frühindikatoren signalisieren, dass der starke Abwärtstrend in der Industrie erst einmal gebrochen ist. Aussagen der neuen EZB-Spitze deuten auf Kurshalten in der Geldpolitik hin, und die Inflationszahlen lassen eine neue Ausrichtung auf absehbare Zeit auch nicht erwarten. Die US-Konjunktur läuft ebenfalls.

Das bedeutet es: Die Anleger holen Atem; denn im Dezember sind mit der Wahl in Großbritannien, dem möglichen Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump und den Fortschritten bei den Handelsgesprächen mehrere wegweisende Entscheidungen zu erwarten. Die Grundstimmung bleibt aber optimistisch.

Dezember

Das ist geschehen: Boris Johnson gewinnt triumphal die Wahlen und kann jetzt im Alleingang seinen Wunsch-Brexit zum 31.Januar 2020 vollziehen. In den USA wird der Präsident einem Amtsenthebungsverfahren unterzogen. An der Handelsfront kehrt fast schon so etwas wie Weihnachtsfrieden ein – und allen ein Wohlgefallen ...

Das bedeutet es: „Wir gehen weiter von unserem Hauptszenario eines geordneten Brexits mit Deal zur Austrittsfrist am 31. Januar 2020 aus“, sagt Ulrich Kater. Für eine wesentlich größere Kursbewegung sorgt der von US-Präsident Trump angekündigte Durchbruch beim Zollstreit, der eine Übereinkunft in einer ersten Stufe vorsieht. Damit sei ein zumindest vorläufiges Ende von nach oben drehenden Zollspiralen besiegelt, so Kater. Sollte es zu dieser Einigung kommen, wird sich die konjunkturelle Stimmung weiter aufhellen.

Fazit 2019

Für Anleger an den Aktienmärkten war das Jahr 2019 bei breiter Streuung durchweg erfreulich – wenn sie nicht zwischenzeitlich die Nerven verloren haben und etwa Ende Mai aus ihren Papieren ausgestiegen sind. Der Kurs von den Notenbanken ist nun fix, so Ulrich Kater: „Nach einer kurzen Phase des geldpolitischen Rückzugs ist spätestens seit der Jahresmitte 2019 klar: Der neuerliche ultralockere geldpolitische Kurs bleibt bis auf Weiteres bestehen." So werde die Europäische Zentralbank ihr erneut aufgenommenes Wertpapierankaufprogramm noch zwei Jahre fortsetzen. Vor Mitte der 2020er-Jahre sei daher kaum mit einer ersten Zinserhöhung zu rechnen.

Ausblick 2020 – gute Chancen auf eine weiche Landung

Die Weltwirtschaft ist von moderatem Wachstum, wenig Inflation und sehr niedrigen Zinsen geprägt. Die Deka-Volkswirte prognostizieren, dass es auch 2020 und darüber hinaus so ähnlich weitergehen werde. Die Exportnation Deutschland sei besonders betroffen vom stagnierenden Welthandel und dem verblassenden Glanz der Industrie. Die gute Nachricht: Immerhin sei keine Rezession in Sicht. „Eine der wichtigsten Stützen für die Wirtschaft ist die hervorragende Lage am Arbeitsmarkt”, so Ulrich Kater.

„In den kommenden Monaten wird sich die globale Konjunktur mühevoll durchkämpfen.“Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Anleger müssen zwar auch 2020 auf Kursschwankungen vorbereitet sein. Trotzdem sollten sie auf keinen Fall dem Kapitalmarkt den Rücken kehren, denn unterm Strich bieten Aktien und ausgewählte Anleihen weiterhin interessante Möglichkeiten für langfristige Anleger. Wer dagegen auf eine Rückkehr von Zinsen warte, der werde 2020 und in den Folgejahren nach Abzug der Inflation voraussichtlich ein dickes Minusgeschäft machen. Ulrich Kater: „Nichtstun wird teuer in den 2020er-Jahren."

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Fünf konkrete Anlageideen für das Jahr 2020 wird der fondsmagazin-Newsletter in seiner Ausgabe 1/2020 vorstellen, die Ende Januar erscheint. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, können Sie hier den monatlichen, kostenlosen fondsmagazin-Newsletter abonnieren.

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Stand: 23.12.2019