Deutsche Wirtschaft Schluss mit lustig

Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen: Das Bruttoinlandsprodukt sinkt. Anleger sollten die Welt aber nicht nur durch die deutsche Brille beobachten.


TEXT: Olivier Löffler

Im zweiten Quartal schrumpfte die deutsche Wirtschaft gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent – so die aktuelle Schätzung des Statistischen Bundesamtes. Damit liegt Deutschland wirtschaftlich in der Eurozone am Schluss des Feldes. In der Eurozone insgesamt war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal leicht gewachsen. Die französische Wirtschaft legte im zweiten Quartal um 0,2 Prozent zu, die spanische sogar um 0,5 Prozent. Auch die wegen des hohen Exportanteils am ehesten mit Deutschland zu vergleichenden Niederlande sind noch im Wachstumsmodus.

Zwar fiel der BIP-Rückgang in Deutschland weniger stark als von manchen erwartet aus, trotzdem gilt: Die deutsche Wirtschaft schrumpft. „Die Unsicherheiten rund um den Welthandel haben die weltweite Industrie in den Abwärtsstrudel gezogen. Eine Weile lang konnten die deutschen Unternehmen dies noch mit hohen Auftragspolstern abfedern. Diese sind jedoch langsam aufgebraucht“, so Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater. Die früheren Vorteile der deutschen Volkswirtschaft – ihre festen Verankerung im Außenhandel – werden jetzt zum Nachteil. Denn der Schauplatz des Handelskriegs liegt damit nicht nur in China und in den USA, sondern quasi direkt vor der Haustür.

Dass sich die Unternehmen schon in den kommenden Monaten an die neuen Hemmnisse in der Weltwirtschaft anpassen können, sei nicht zu erwarten. Daher droht die Stimmung immer schlechter zu werden und auch auf die bislang noch wenig betroffene Binnenwirtschaft überzugreifen. „Ein negatives drittes Quartal in Deutschland ist wahrscheinlich und damit eine zumindest leichte Rezession“, so Dr. Ulrich Kater: „Anleger sollten jedoch nicht den Fehler begehen, die Welt nur durch die deutsche Brille zu betrachten. Trotz einer Reihe aktueller Probleme wächst die Weltwirtschaft mit einer Rate von drei Prozent. Das bedeutet, dass es etwa bei Aktien weiterhin Renditepotenziale gibt – in einem Zinsumfeld, das sich auf absehbare Zeit kaum ändern wird.“

Stand: 14.08.2019